16. April 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Feuersteim

Roland Schulze-Röbbecke

Auf den Äckern zwischen Aachen und Maastricht findet man oft Feuersteine. Schlägt man zwei Feuersteine gegeneinander, ist man jedoch enttäuscht, denn mit den wenigen, dabei entstehenden Funken lässt sich kein Feuer machen. Woher kommt also ihr Name?

Schon in der Steinzeit war bekannt, dass viele heiße Funken entstehen, wenn man Feuersteine gegen bestimmte Mineralien schlägt, die heute als Pyrit, Markasit oder Schwefelkies bezeichnet werden. Treffen solche Funken auf geeigneten Zunder, entsteht Glut, mit der sich ein Feuer anzünden lässt. Als Zunder wurde gern der Zunderschwamm verwendet, ein Baumpilz, der leicht entzündbar ist, nachdem man ihn in Urin oder Wasser mit Pflanzenasche eingelegt, weichgeklopft und getrocknet hat. Auch der Steinzeitmann Ötzi trug Zunderschwamm mit sich, auf dem man Spuren von Pyrit nachwies.

Rund geschliffene und polierte Feuersteine aus der Gegend um den Aachener Schneeberg

Beim Steinzeit-Feuerzeug diente der Feuerstein als „Funkenlöser“, welcher mit seinen harten, scharfen Kanten aus dem weicheren Pyrit („Funkenspender“) kleine Partikel löst, die sich aufgrund der hohen Reibungsenergie zu Funken von über 1000°C entzünden. In spätrömischer Zeit sprach sich herum, dass auch kohlenstoffhaltiges Eisen ein hervorragender Funkenspender ist. Bis zur Erfindung der Streichhölzer schlug man seitdem zum Feuermachen mit „Schlageisen“ oder „Feuerstahl“ gegen einen Feuerstein. Im 17. Jahrhundert kamen Feuerwaffen mit Steinschloss auf, bei denen ein Feuerstein auf einen kohlenstoffreichen Feuerstahl schlug, um das Schießpulver zu entzünden.

Der äußerst harte Feuerstein war in der Steinzeit auch das Material, aus dem Messer, Äxte und andere Werkzeuge hergestellt wurden. Er war eine begehrte Handelsware. So haben Archäologen z.B. den vor über 5000 Jahren auf dem Aachener Lousberg abgebauten Feuerstein an Orten bis ins heutige Niedersachsen, Luxemburg und die westlichen Niederlande gefunden.

Unsere Feuersteine sind in den kalkhaltigen Ablagerungen eines Meeres entstanden, das in der späten Kreidezeit, vor 72 bis 66 Millionen Jahren, große Teile Europas bedeckte, als noch Dinosaurier das Land bevölkerten. Aus solchen Ablagerungen besteht die Aachen-Maastrichter Kreidetafel, die zwischen Aachen und Maastricht und im Süden bis weit über die belgische Grenze hinweg das ältere Gestein bedeckt. Neben Kalk enthalten die Ablagerungen auch Siliziumdioxid (SiO2), welches in kleinen Mengen wasserlöslich ist. Über Jahrmillionen verdichtete sich das SiO2 innerhalb der Ablagerungen an bestimmten Stellen zu festen Feuersteinknollen.

Feuersteine bestehen wie Quarz und Glas hauptsächlich aus SiO2; ihre Bruchstücke haben scharfe Kanten. Oft sind sie schwarz; im Aachener Raum findet man aber auch braune, gelbliche, rötliche und dunkelgrüne Feuersteine. Die oft zitierte Angabe, dass roter Feuerstein weltweit nur auf Helgoland vorkommt, ist daher zweifellos falsch.

 

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zuletzt bearbeitet am 1.V.2026