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Tipps zum Schnitt von Reisern

 
Sie möchten eine alte oder besonders gute Obstsorte erhalten oder vermehren?
Dazu gibt es ein bewährtes Verfahren, das Ihnen die Sicherheit gibt, dass die neuen Bäume die gleichen Früchte wie die alten tragen: die Veredlung von sogenannten Wildlingen. Dazu wird auf einen Wildling (auch "Unterlage" genannt und mit Früchten oft zweifelhafter Qualität) ein Sprossstück (das "Edelreis") des gewünschten Baumes veredelt ("gepfropft"). Da das Edelreis die gleiche Erbinformation wie die Mutterpflanze enthält, tragen beide die gleichen Früchte. Der Erfolg einer Veredlung hängt neben der korrekten Technik bei der Ausführung der Veredlung entscheidend von der Beschaffenheit des Edelreises ab.
 

Hier einige Punkte, die Sie beim Schnitt der Edelreiser beachten sollten:
 
  1. Zeitpunkt des Schneidens

  2. Den besten Erfolg versprechen Edelreiser, die während der vollständigen Vegetationsruhe gewonnen werden. Diese Zeit beginnt im Dezember und endet beim Steinobst (z.B. Kirsche und Pflaume) oft schon Mitte bis Ende Januar. Beim Kernobst (z.B. Äpfel und Birnen) kann erfolgversprechend auch noch im Februar geschnitten werden und je nach Witterungsverlauf ist selbst im März noch ein Versuch lohnend.
     
     
     
     
     
  3. Beschaffenheit des Edelreises

  4. Als Edelreiser eignen sich nur einjährige Langtriebe, kein Fruchtholz! Einjährige Triebe (siehe Abbildung auf der nächsten Seite) sind an den frischen Blattnarben zu erkennen und haben meist eine hellere Rinde als älteres Holz; ihre Internodien (die Abschnitte zwischen den Blättern) sind lang. Sie haben meist keine Verzweigungen, sondern tragen Knospen. Ideal sind bleistiftstarke bis fingerdicke, ca. 30 40 cm lange Abschnitte aus der Basis von Langtrieben, aber auch dickere oder dünnere sowie sehr kurze Sprossteile können Verwendung finden. Geeignete Triebe finden sich meist auf der Sonnenseite des Baumes, leider oft auch in der Spitze. 
     
     
     
     

    Bei sehr alten oder absterbenden Obstbäumen kann es vorkommen, dass auf Anhieb nicht ein einziger geeigneter Trieb zu finden ist. Alle Kraft des Baumes ist nämlich in die Erzeugung von Fruchtholz investiert worden. Solche Fälle sind durchaus nicht hoffnungslos! Hier muss auf der Südseite ein scharfer Rückschnitt ins alte Holz erfolgen, der zusammen mit einer leichten Düngung den Baum im folgenden Frühjahr zum Austrieb von Langtrieben veranlasst. Erst dann kann der Schnitt der Edelreiser und die Veredlung durchgeführt werden.
     
     
     
     
     

  5. Lagerung der Edelreiser

  6. Wichtig: Beschriften Sie die Reiser mit einem dauerhaften Etikett. Neben Ihrer Adresse interessieren außerdem noch: Standort des Baumes, eventuell überlieferte Sortennamen und Angaben über die Fruchtqualität. Zwischenzeitlich sollten die Reiser möglichst kühl, feucht und dunkel lagern. Dazu haben sich perforierte Folienbeutel gut bewährt. Bei niedrigen Temperaturen (zwischen +5° und   -10° C) kann die Lagerung an einem schattigen Platz im Freien erfolgen. Bei Wärme- oder Polarfrosteinbrüchen ist für ein bis zwei Wochen auch die Aufbewahrung im Kühlschrank (nicht tieffrieren!) möglich.

    Aber keine übertriebene Angst! Für wenige Tage werden auch sehr ungünstige Bedingungen überstanden. Mit optimal gelagerten Edelreisern sind allerdings Veredlungen noch im Mai sicher durchzuführen.
     

Edelreiser von Boskoop: einjähriges Holz, unverzweigt,
Bleistift- bis fingerdick, 30 - 40 cm lang.
 

Zweijähriges und älteres Holz: als Reisholz nicht geeignet.
 

Fruchtholz: als Reisholz nicht geeignet.


 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Schnitt der Reiser!


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zuletzt bearbeitet am 17.VIII.2005