Name im Capitulare Nr. Botanischer Name Familie
fasiolum 11a Vigna unguiculata (L.) Walp. Fabaceae
 
 

 
 Kuherbse/-bohne
deutscher Name 
 Kousenband
niederländischer Name 
 pois de vache
französischer Name 
 cowpea
englischer Name 

 
Beschreibung

Geschichte

 Verwendung

Botanische Beschreibung der Art

Die Kuhbohne hat viele Namen. Langbohne, Schlangen-Bohne, Augen-Bohne, ägyptische Lubia-Bohne. Manche bezeichnen sie auch als Kuh-Erbse. Sie ist so vielgestaltig wie sie Namen hat.
    Einjährig bis ausdauernd, krautig aufrecht, kriechend oder kletternd. Sie zählt als Hülsenfrucht zu den grünen essbaren Bohnen und stammt als alte Kulturpflanze vermutlich aus dem tropischen Afrika (Niger-Gebiet). Dort kultivieren die Bantu aus der gesamten Artengruppe der afrikanischen Kuhbohne eine Vielzahl von Wildformen und alten Landsorten. Heute wird sie weltweit in den Tropen und Subtropen kultiviert. Nach Zahlen von 1975 führte in der Weltproduktion von 1 Mio. Tonnen Nigeria mit 850 vor Obervolta 75 und dem Senegal mit 23 (Angaben in Tsd. Tonnen).
    Ihre wechselständigen Blätter sind 3-fiedrig, 3 - 12 cm lang gestielt mit unten breiten, etwas herzförmigen oben spitz zulaufenden oft etwas asymmetrischen Fiederblättern (bis 13 cm lang). An der Fiederblattbasis sitzen 6 20 mm lange, eiförmig-lanzettliche Nebenblätter. Die 2 mm lang gestielten Blüten stehen zu zweit einander gegenüber. Die Blütenkrone ist 2 3,5 cm lang, die Farbe ist weiß (auch schon mal gelblich-grün) bis blasslila. Die 4 mm langen Kelchröhren enden in spitzen bewimperten Zipfeln. Die hängenden Hülsen sind zur Reife gelblich, schmal-zylindrisch mit 2 6 Samen, die sich als rundliche Höcker abzeichnen. Die Hülsen erreichen eine Länge von 6 10 cm, etwa 7 mm breit und 4 mm dick. Die nierenförmigen, weißen Samen sind durch einen schwarzen Ring um den Nabel kenntlich.
 

zum Seitenanfang
 

Geschichte

Die heute üblicherweise in unseren Gärten als grüne Bohnen gepflanzten Sorten waren im Mittelalter nicht bekannt. Diese stammen aus den Gebirgen Südamerikas, gehören zu der Art Phaseolus vulgaris, und wurden in Europa erst nach der Entdeckung Amerikas eingeführt. Auf den ersten Blick sehen sie aber der Kuhbohne zum Verwechseln ähnlich.

Römische Schriftsteller des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. (VERGIL, COLUMELLA, DIOKORIDES, PLINIUS, GALENUS) beschreiben Bohnen, die nicht die allgemein übliche im Mittelmeergebiet gepflanzte Bohne (Vicia faba) waren, als phaseolus, dolichos oder smilax. Der Name fasiolo findet sich auch im St. Gallener Klosterplan von 820 und ALBERTUS MAGNUS gibt um 1260 eine Beschreibung dieser Pflanze. Aufschlussreich ist sein Vermerk über die Verschiedenfarbigkeit der Samen und die Beobachtung des schwarzen Flecks am Nabel. Dies ist das charakteristische Kennzeichen für die Kuhbohne. Sie ist offenbar seit der 5. Dynastie (ca. 2.500/2.300 v. Chr.) in Ägypten kultiviert worden. Nach DIOSKORIDES "winden sie sich an Reisern empor ... die Frucht, lang und fleischig, wird samt den Samen wie Spargel gekocht, als Gemüse gegessen ... sie blähen den Leib und machen den Bauch windig und sind schwer zu verdauen. Frische Phaseolen gegessen, erweichen den Stuhlgang und sind gut wider das Würgen und Brechen." Bohnen wirken harntreibend und blutreinigend. Sie enthalten Blausäureglykoside, die Erbrechen und Magenkrämpfe auslösen, sich aber beim Kochen verflüchtigen.

Im Kräuterbuch des Tübinger Professor LEONHARD FUCHS von 1543 ist die amerikanische grüne Bohne unter der Bezeichnung "Welsch Bonen" abgebildet. Im Kräuterbuch des ANDREAE MATTIOLI, bearbeitet von JOACHIM CAMERARIUS aus Nürnberg, gedruckt 1626, ist - kenntlich am schwarzen Nabelring der Samen - die Kuhbohne abgebildet. Die botanische Gliederung von Bohnen mit essbaren Hülsen in die Gattungen Phaseolus und Vigna hat als erster DOMENICO VIGNA aus Florenz vorgenommen, der von 1609-1647 Professor für Botanik in Pisa war. Beide Gattungen sind so ähnlich, dass es nicht Wunder nimmt, dass nach der Entdeckung Amerikas und der Einführung der dort heimischen Bohnen nach Europa der am häufigsten für die antike und mittelalterliche altweltliche Bohne (Vigna unguiculata) gebrauchte Name fasiolum oder phaseolus auf die neuen Bohnen aus Amerika übertragen wurde. Abwandlungen dieses Namens haben in einigen Gegenden Deutschlands als Fisole oder Fitzebohne bis in die heutige Zeit überlebt.

Seit alters her gelten die Bohnen als Hüter der Lebenskraft, als Nahrung der Götter, als heilige Ranken, als Zauberwaffen und Amulette. In der Antike galten sie als die Pflanze der Huren. In den ackerbaulich orientierten Indianerkulturen Amerikas übte man mit Bohnen den Flurzauber. VON PERGER berichtet: "Frauen sollen Bohnen vermeiden, denn sie bewirken Unfruchtbarkeit, sie machen schwere Träume, verursachen den Alp, und die Bohnenblüthe soll sogar den Wahnsinn herbei führen." Letztere Anmerkung bezieht sich wohl auf den Favismus, der von Saubohnen ausgelöst werden kann. Zu ersterem ist zu sagen, dass die Samen vieler Hülsenfrüchte östrogenhaltig sind, was in der Tat bei einseitiger Ernährung bei Tier und Mensch zu Unfruchtbarkeit und Impotenz führen kann. Bereits die Griechen der Antike feierten ein Bohnenfest. Später gab es diesen Brauch in Deutschland und den Niederlanden am Dreikönigstag (VON PERGER). Dann gab es Kuchen, in dem eine einzige Bohne eingebacken war. Wer diese fand war Bohnenkönig. Man überließ das aber nicht dem Zufall, sondern bedachte den Wohlhabendsten, "denn der Bohnenkönig durfte es an erheiternden Getränken nicht fehlen lassen."
 

 

zum Seitenanfang
 
 

Heutige Bedeutung und Verwendung

Unter der Bezeichnung Lubia-Bohne ist Vigna unguiculata heute in Ägypten und im gesamten Niltal in Gartenkultur zu finden. In den gesamten Tropen und Subtropen wird sie in vielen Sorten kultiviert. Hülsen und Samen werden als Gemüse gegessen ebenso wie gelegentlich die gedünsteten Blätter. Sie dient auch als Viehfutter und Gründünger.
 

 

zum Seitenanfang

[Eine Seite zurück]  [Zur Übersichtsseite über den Karlsgarten]  [Home]
 

zuletzt geändert am: 29.XII.2000