Name im Capitulare  Nr. Botanischer Name Familie
morarios
84
Morus nigra L. Moraceae

 
 Schwarzer Maulbeerbaum
deutscher Name 
 Zwarte Morbei
niederländischer Name 
 mûrier noir
französischer Name 
 black mulberry
englischer Name 

 
Beschreibung

Geschichte

 Verwendung

 
Botanische Beschreibung der Art

Wildvorkommen des Maulbeerbaums sind nicht bekannt. Daher kann man nicht genau eingrenzen, woher er eigentlich stammt, ob aus Persien, Transkaukasien, Zentralasien, aus China oder aus der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel allgemein. Im Mittelmeergebiet wurde er schon vor langer Zeit eingebürgert und ist dort auch an günstigen Stellen verwildert. In Deutschland wurde er in Weinbaugebieten in Gärten besonders in Kloster- und Pfarrersgärten angepflanzt. Man findet ihn in der Pfalz, im Rheingau, in Rheinhessen, im Tessin und in Kärnten. Der Maulbeerbaum stellt keine hohen Ansprüche an den Standort. Er liebt fruchtbare und durchlässige Böden und eine sonnige geschützte Lage. Er ist etwas frostempfindlich und muss u.U. im Winter abgedeckt werden.

Morus nigra gehört neben Morus alba und Morus rubra (sie unterscheiden sich u.a. an der Farbe der Früchte) mit Feige und Osagedorn (Maclura ponifera) zur Familie der Maulbeergewächse, die alle beerenähnliche Scheinfrüchte, die sog. Maulbeeren, ausbilden und Milchsaft führen.

Aus einer fleischigen, leicht zerbrechlichen Wurzel wächst Morus nigra als 6-10 m hoher (gelegentlich bis zu 20 m hoher) buschiger Baum, dessen reich verzweigte kompakte Krone weitausladend auf einem kurzen, oft gewundenen, gedrehten oder schiefen Stamm sitzt, so dass der ganze Baum wesentlich breiter als hoch wirkt. Der Stamm ist dicker als der von Morus alba. Die Rinde hat eine dunkel- oder orangebraune Farbe, bei jungen Bäumen ist sie dunkelgrün. Sie ist faserig gefurcht oder rissig streifig, uneben mit Warzen oder knolligen Verdickungen. Die unteren Äste sind massiv, mehrfach gebogen und knorrig, die rotbraunen jungen Triebe weisen Behaarung auf. Die 5-15 cm langen und bis 10 cm breiten Blätter sind im Umriss vielgestaltig: ungelappt oder zwei- bis mehrlappig, derb eiförmig, an der Basis herzförmig, ungleich grob gesägt, am Ende lang und fein zugespitzt (deutlich spitzer als bei Morus alba), oberseits dunkelgrün, rauhaarig, fast grau, unterseits hellgrün und filzig, angedrückt behaart mit stark hervortretenden hellgelben Adern. Die Blätter stehen wechselständig wie bei allen Maulbeergewächsen.

Im Mai/Juni erscheinen entweder vor oder mit dem Austreiben der Blätter in den Blattachseln junger Triebe die unscheinbaren Blüten, männliche und weibliche Blüten in getrennten Blütenständen auf einer oder zwei verschiedenen Pflanzen. Die männlichen Blüten haben je vier schuppenartige rauhe Blütenhüllblätter. Sie sind zu 2,5 cm langen, lockeren, kurzgestielten zylindrischen Gebilden angeordnet. Morus ist windbestäubt, kann aber auch ohne Bestäubung fruchten. Die weiblichen Blütenstände sind 1,2 cm lange, ovale, borstige, aufrechte Kätzchen. Auch die weiblichen Blüten haben vier Blütenhüllblätter, der Fruchtknoten ist oberständig und hat zwei Narben. Im Juli/August reift die aus dem fleischigen Blütenkelch gebildete Frucht. Die winzigen eng zusammengepackten Früchte erscheinen als Sammelfrucht, ähnlich der einer Brombeere, zuerst rot, später dann violett-schwarz. Jede Einzelfrucht entspricht einer einsamigen Nuss. Die Früchte sind erst kurz vor dem Abfallen genießbar und entwickeln dann einen angenehm süß-säuerlichen Geschmack. Da die Sämlinge sich sehr langsam entwickeln, besorgt man die Vermehrung über Stecklinge, die aus ziemlich großen Ästen bestehen können und die sich dann im Winter bewurzeln.
 

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Geschichte

Der Maulbeerbaum war bereits 2700 Jahre v.Chr. in China bekannt, und seine Blätter wurden zur Seidenraupenzucht verwendet, weshalb er regelrecht kultiviert wurde. Auch in der Bibel wird er erwähnt (Jesaja 40, 20; Lukas 17, 5-6). Den Griechen und Römern war er vertraut, und sie pflanzten ihn im Mittelmeerraum an. Dabei unterschied man nicht immer klar nach Morus alba und Morus nigra. Morus nigra wurde wahrscheinlich erst im 16. Jh. nach Westeuropa eingeführt. Der Maulbeerbaum war dem Gott Pan geweiht, und er galt bei den Griechen als Symbol der Klugheit. Plinius nennt ihn "sapientissima arborum", den klügsten aller Bäume, angeblich, weil die Blätter erst dann treiben, wenn keine Kälte mehr zu erwarten ist. Ovid schildert in den Metamorphosen, wie sich die ursprünglich weißen Früchte des Maulbeerbaums rot färbten vom Blut von Pyramos und Thisbe, das bei ihrem tragischen Tode floss.

Woher die latein. Bezeichnung morus kommt, ist nicht eindeutig auszumachen. Sie könnte dem griech. morea entlehnt sein, was das Wort für "Baum" in der Antike war, oder von griech. merós (der Teil wegen der zusammengesetzten Früchte) abgeleitet sein oder von griech. móros in der Bedeutung von "fade, unschmackhaft". Der deutsche Name wurde aus dem lat. übernommen als ahd. "mor", "murberi", welches dann im mhd. zu "morber/mulber" wurde.

Im Gegensatz zu heute hatten der Maulbeerbaum und seine Früchte in der Antike und im Mittelalter neben der Nutzung als Obst zur Weinherstellung (vinum moratum) und zur Weinfärbung in den Klöstern durchaus auch Bedeutung als Heilmittel. Hildegard von Bingen empfiehlt bei Krätze, die Blätter zu kochen und die befallenen Körperpartien mit der Brühe zu waschen oder Dampfbäder damit herzustellen. Den ausgepressten Saft der Blätter sollte man mit Wermutsaft und 2/3 Wein kochen. Nach dem Essen getrunken, führe diese Mischung zu Erbrechen bei Essensvergiftungen. Dioskorides meint, dass der Saft aus den Blättern gut sei gegen Spinnenbiss und Zahnschmerzen und, zusammen mit Reblaub und schwarzen Feigenblättern in Regenwasser gesotten, die Haare schön schwarz färbe. Ferner sollten Maulbeeren und Maulbeersaft Stuhl und Bauch weich machen und die Brühe aus der Wurzelrinde gegen breite Würmer (Spulwürmer) wirken und gegen Vergiftungen mit Aconitum (Eisenhut). Eingedickt mal mit Honig versetzt, solle die Paste Geschwüre und Geschwulste der Mandeln heilen.
 

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Heutige Bedeutung und Verwendung

Als Heilpflanze tritt der Maulbeerbaum heute nicht mehr in Erscheinung und auch als Obstlieferant ist er kaum noch von wirtschaftlicher Bedeutung, denn seine Früchte sind leicht verderblich und nicht transportfähig. Man sammelt sie noch an Ort und Stelle, oft in Konkurrenz zu Vögeln, verzehrt sie direkt oder macht Marmelade, Sirup, Gelees, Pasten, ja sogar Wein daraus oder benutzt sie zum Färben von Rotwein ähnlich dem Holunder. In Afghanistan trocknet man die Fruchtstände und verwendet sie wie Rosinen beim Backen. Aus den getrockneten Früchten des Morus alba gewinnt man ein süßliches Fruchtmehl, das unter den Kuchenteig gemischt wird.

Die Blüten haben keinen Zierwert, aber das prächtige Laub ist reizvoll. Die Bäume können, ohne Schaden zu nehmen, beschnitten und zu schattenspendenden Spalieren und Lauben geformt werden, wie man in Italien sehen kann. Die Blätter selbst eignen sich jedoch nicht wie die von Morus alba zur Seidenraupenzucht.

Das Holz wird oft mit dem Holz der Rüster (Ulme) verglichen. Es ist hart, zäh, dauerhaft, schwer spaltbar und im Splint nur dünn. Es ist hellgelb mit einem schokoladenbraunen Kern. Es eignet sich gut zu Drechslerarbeiten und zum Polieren. Das Wurzelholz weist eine schöne Maserung auf und wird deshalb zu Intarsienarbeiten verwendet.
 

 


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zuletzt geändert am: 30.VII.2002