Name im Capitulare  Nr. Botanischer Name Familie
avellanarios
82
Corylus avellana L. Betulaceae

 
 
 Haselnuss
deutscher Name 
 Hazelaar
niederländischer Name 
 noisetier
französischer Name 
 hazelnut
englischer Name 

 
Beschreibung

Geschichte

 Verwendung

 
Botanische Beschreibung der Art

Die Gattung Corylus umfasst 15 Arten einhäusiger, laubabwerfender, ein- oder mehrstämmiger Bäume und Büsche und zählt zu den Birkengewächsen. Beispiele sind die Bluthasel (C. maxima 'Purpurea'), die Korkenzieherhasel (C. avellana ´Contorta´) und die Baumhasel (C. colurna), die in Aachen häufig als Straßenbaum angepflanzt wurde. Alle Arten sind in den gemäßigten Zonen der Nordhemisphäre beheimatet. Sie besitzen essbare Nüsse, die wegen ihres hohen Ölgehaltes und ihrer guten Lagerfähigkeit schon seit Alters her einen wichtigen Wirtschaftsfaktor bilden.

Corylus avellana, die gemeine Haselnuss, wächst von Grund an als mehrstämmiger Busch oder Halbbaum, der wild 36 m, in Kultur bis zu 10 m hoch werden kann. Ausgenommen in Nordskandinavien und Nordrussland findet man den die Hasel in ganz Europa, im nördlichen Afrika und im westlichen Asien bis zum 63. Breitengrad. Sie wächst in Hecken, an Bachufern, an Waldrändern, als Unterholz in lichten Wäldern und als Pionierpflanze auch an steilen Halden, wird aber auch extra als Feldgehölz und in Knicks angebaut. Die Hasel ist ökologisch sehr anpassungsfähig, meidet nur reine Sumpf- und Sandböden, bevorzugt durchlässige und kalkhaltige Böden in sommerwarmen, -trockenen Klimalagen.

Die Rinde ist silbergrau bis glänzend graubraun und löst sich in Schuppen ab. Sie ist längsrissig und mit zerstreuten Korkwarzen besetzt. Die Stämme verkahlen bald. Das Holz ist weißlich-gelb. Junge Zweige sind hin- und hergebogen, kurzlebig und abstehend drüsig behaart, oftmals auffallend rotborstig. Sie haben eiförmige, silbrig behaarte Winterknospen, eine Endknospe fehlt. Die rauen, 5-10 cm langen Blätter sitzen an drüsig behaarten, 5-10 mm langen Blattstielen. Sie sind wechselständig angeordnet. Die mittelgrüne Oberseite und die hellere Unterseite sind schwach behaart, der Rand ist doppelt gesägt. Auf der Unterseite tritt das Adernetz von 6-7 Nervenpaaren stark hervor. Die Blattform variiert von  etwas herzförmig bis rundlich, schwach asymmetrisch bis dreilappig mit einer aufgesetzten Spitze.

Bereits im zeitigen Frühjahr ab Februar erblühen die Haselsträucher und leiten damit die Heuschnupfenzeit ein. Die männlichen Blütenkätzchen stehen zu 2-4 an Kurztrieben zusammen. Sie hängen dann schlaff als 3-6 cm lange kleine Walzen nach unten. Jede einzelne hüllenlose Blüte hat 4 gespaltene Staubgefäße und sitzt auf einem Tragblatt. Durch Bewegung des ganzen Kätzchens fällt der Pollen auf das Tragblatt der Blüte darunter, von wo aus er vom Wind zu den leuchtend roten Narbenästchen der weiblichen Blüten weitertransportiert wird. Diese sind zu knospenähnlichen Gebilden zusammengedrängt, die einzelne Blüte etwa 5 mm groß. Bienen fliegen den Haselstrauch an, suchen aber dort nur die männlichen Blüten auf und tragen somit nicht zu einer Befruchtung bei. Die eigentliche Befruchtung findet erst Wochen nach der Blüte statt. Dann entwickeln sich im Laufe des Sommers am Ende junger beblätterter Triebe ein bis vier Nüsse, die gleich nach ihrer Reife im August/September zur Erde fallen. Zuerst bleichgrün, später rosa braun, 2 cm lang und von einer grünen, am Rande ausgefransten Fruchthülle umgeben, die den Scheitel oder Nabel der Nuss freilässt, sind die Samen in einer harten Schale verborgen. Sie enthalten ähnlich wie die der Walnuss zu 61 % fettes Öl, 14 % Eiweiß, 14 % Kohlenhydrate und viel Vitamin C und sind sehr nahrhaft.

Um an die Samen zu gelangen, muss die harte Schale durchbohrt, z.B. von einem kleinen Rüsselkäfer, dem Haselnussbohrer, oder geknackt werden. Eichhörnchen, Mäuse, Siebenschläfer und Häher legen Depots an, die oft nicht geleert oder vergessen werden und so zur Vermehrung der Haselbüsche beitragen. Eine besondere Form, die Nüsse zu knacken, hat der Kleiber entwickelt: er klemmt die Nüsse in Borkenspalten ein, um sie dann ganz in Ruhe zu zerkleinern und zu zerhacken ("Spechtschmieden"). In der Natur erfolgt die Vermehrung meist über Samen (s.o.), in Kultur hingegen auch wegen der flachstreifenden Bewurzelung von Corylus über Absenker und Stecklinge. Die Schösslinge können in einer Vegetationsperiode mehrere Meter hoch wachsen, sie verzweigen sich erst ein Jahr später. Die alten Stämme, die eine Dicke von 15-18 cm erreichen, werden durch neue kräftige Schösslinge ersetzt. Auf diese Weise kann ein Haselstrauch bis zu 100 Jahren alt werden.
 

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Geschichte

Zahlreiche Funde aus der jüngeren Erdgeschichte belegen, dass der Haselstrauch in Europa während der Nacheiszeit im Unterholz von Kiefernwäldern dominierte und so deren Verjüngung verhinderte. Stellenweise gab es nur noch Haselnussbestände; man nennt diese Periode "Haselzeit", die sich etwa mit der älteren Mittel-Steinzeit deckt. Später drängte die Ausbreitung der Eiche die Hasel zurück.

Der Name Corylus wird schon von vielen antiken Autoren benutzt und könnte von griech. corys = Maske hergeleitet sein, weil die Fruchthülle maskenartig die Nuss verbirgt. Avellana könnte sich auf der Berg Avella bei Neapel oder auf die Stadt Avella in Kampanien beziehen, beide bekannt für ihre Nüsse. Der dtsch. Name Hasel kommt von hasal, was ahd. soviel wie Nuss bedeutet. Fast alle alten Kulturvölker des Abendlandes haben der Haselnuss besondere Kräfte zugeschrieben. Schon im frühen Altertum galt sie als Sinnbild der Unsterblichkeit und - wahrscheinlich wegen ihrer frühen Blütezeit - des neu erwachenden Lebens und des Frühlings. Bei Ausgrabungen in Pompeji fand man Nüsse, in Deutschland lagen in den ältesten Gräbern Haselruten und Nüsse als Totenspeise.

Die Haselnuss wird auch in Verbindung zu Sexualität und Fruchtbarkeit gebracht: In seinem Hochzeitslied rät Catull den Knaben, Nüsse unter das Volk zu verteilen zum Zeichen dafür, dass mit Eintritt in die Ehe die sexuelle Freiheit vorüber sei. Die Haselnuss ist aber auch ein Symbol des ehelichen Glücks, vielleicht in Anlehnung an das häufige Auftreten von zwei Nüssen in einer Schale ("Vielliebchen"). Die Verbindung zur Sexualität drückt sich auch in der deutschen Redewendung "in die Haseln gehen" aus, was soviel bedeutet wie "zu seiner Liebsten gehen". Ein Mädchen, mit dem man schnell in die Haseln gehen konnte, dem ein lockerer Lebenswandel nachgesagt wurde, bekam am 1. Mai keinen Birkenmeien vors Kammerfenster gestellt, sondern einen Haselstrauch. Zu Pulver gebrannte Rinde oder Haselöl ins Essen gemischt galt als Aphrodisiakum.

Bei den alten Germanen war die Hasel dem Donnergott Tor geweiht und galt als blitzsicher. Sie wurde deshalb ehrfurchtsvoll mit "Frau Hasel" angeredet. Später entstand eine christliche Legende, nach der Maria auf dem Weg zu Elisabeth in ein heftiges Gewitter geriet und unter einem Haselstrauch Schutz vor den Blitzen fand. Merkwürdigerweise wird statistisch gesehen die Hasel weniger häufig vom Blitz getroffen als andere Büsche und Bäume. Später wurde der Schutz ausgeweitet auf Schlangen, Hexen, schlimme Geister und alles andere Böse. Dafür steckte man Haselruten ins Dach, unters Bett, vor das Fenster (letzteres sollte die Irrlichter fernhalten). Man verteilte sie in Stall und Scheune, damit sie Wohlbefinden bringen sollten, man störte mit Ruten die Hexen, die den Milchzauber ausführten.

Obwohl bereits in frühfränkischer Zeit mit der "lex ripuaria" der Haselzauber verboten wurde, bedienten sich die Menschen weiter der Haselrute zu allerlei Zauber, z.B. zum Verdreschen abwesender Feinde (Kinder durften übrigens nicht mit Haselruten geschlagen werden, weil sie sonst ihren geraden Wuchs verlören). Eine Haselrute, am Karfreitag vor Sonnenaufgang "sine ferro" (mit einem Feuerstein) in drei Schnitten im Namen der heiligen Dreifaltigkeit abgeschnitten, wobei der Schnitter stumm bleiben und sein Gesicht gen Osten wenden musste, konnte jemanden in Abwesenheit verprügeln. Man musste nur ein altes Kleidungsstück nehmen, den Namen des zu Verprügelnden darüber sprechen und mit der Rute nach Herzenslust darauf eindreschen. Der Genannte empfände dann die Schläge recht schmerzlich.

Auch andere absonderliche Fähigkeiten und Teufelskünste wie auch Geldzauber wurden der Haselrute nachgesagt, allerdings gibt es kaum Belege für ihre Wirksamkeit. Die Hasel sollte eine besondere Gewalt über Schlangen haben, weshalb bis in die heutige Zeit im Schwarzwald Kindern eine Haselrute für lange Wanderwege mitgegeben wurde als Schutz gegen Schlangen.
Es gibt auch Geschichten vom Haselwurm, einer weißen Schlange, die unter der Hasel nistet und besonders an Festtagen ein Krönchen trägt. Ihr Besitz verleiht wundersame Kräfte: man verfügt über weitreichende Pflanzenkenntnisse, man wird unsichtbar und unverwundbar und kann durch geschlossene Türen gehen. Außerdem fliehen alle Geister den Haselwurm. Heute noch wird der Haselzweig als Wünschelrute benutzt, um verborgene Wasser- oder Erzadern aufzuspüren. Schon Plinius erwähnt die "aquileges", die Wassersucher. Auch die Etrusker kannten die magischen Kräfte der Haselrute. Sie taucht auch in den nordischen Mythen und im Nibelungenlied auf. Im späten Mittelalter versuchte man mit Ruten verborgene Schätze, verirrtes Vieh, Räuber und Mörder, ja sogar Wahrheit oder Lüge aufzuspüren. Statt eines Schatzes wurde zwar manchmal nur ein kleines Geldstück gefunden, aber in den Händen besonders geübter Wünschelrutengänger schlug die Rute aus. Die Haselrute soll eine besondere Affinität zu Gold und Silber haben (die Esche zu Kupfer, die Fichte zu Blei). Man musste sie aber nach einem festgelegten Ritus mit begleitendem Text schneiden.

Eine große Heilwirkung wurde der Haselnuss nicht zugesprochen. Dioskorides vertritt die Meinung, dass Nüsse dem Magen schädlich seien. Sie hülfen höchstens kleingestoßen und mit Honigwasser vermischt bei hartnäckigem Husten und ihre Asche in Schmalz geknetet bei Alopecia (Haarausfall). Nach Hildegard von Bingen taugt die Haselnuss nicht für die Heilkunst. Die Nüsse schaden einem Gesunden nicht, wohl aber einem Kranken. Sie meint, das Pulver aus den Knospen sei gut gegen Skrofeln. Sonst solle das gleiche Pulver in eine Speise aus Mauerpfeffer, Winden, der Leber eines geschlechtsreifen jungen Bockes und fettem Schweinefleisch gemischt und wiederholt gegessen einem Mann dazu verhelfen, Kinder zu zeugen, "wenn der gerechte Ratschluss Gottes dies nicht verhindert."
 

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Heutige Bedeutung und Verwendung

Der Haselstrauch hat ein sehr gutes Ausschlagsvermögen und verträgt starken Rückschnitt. In England hat man ihn früher in weiträumigen Plantagen angebaut, weil er wie die Korbweide im ein- bis zweijährigem Turnus beerntet werden konnte. Aus den biegsamen Ruten oder den dickeren Stämmen machte man früher Fassreifen, Spazierstöcke, Griffe, Kleiderbügel, Korbmacherarbeiten, Drechselarbeiten, Flechtwerk zur Ausfüllung der Gefache, Bündel als Deckwerk für Bauernhäuser und Feldscheunen. Man benutzte sie rund oder gespalten als Zaunlatten, Pflanzenstöcke, Bohnenstangen, man destillierte Haselholz in Kohlemeilern zu begehrter Schießpulver- und Zeichenkohle. Für den Haselstrauch fand man vielseitige Verwendung im Alltagsleben. Heute haben Holz und Ruten keinerlei wirtschaftliche Bedeutung mehr. Allenfalls könnte der Haselstrauch in seiner Gesamtheit wegen seiner Resistenz gegen Autoabgase als straßenbegleitendes Gebüsch wieder wichtig werden.

Abgesehen davon, dass der Haselstrauch nach dem Winter den Bienen im Frühjahr die erste wichtige Nahrung des Jahres bietet, haben die Nüsse für uns große Bedeutung als Bestandteil von Süßigkeiten, Desserts und Kuchen, zum Würzen von Fleischgerichten, für die Herstellung von Nutella, die für ganze Generationen der wichtigste Brotaufstrich war und ist. Die Grundlage hierfür liefern allerdings die Nüsse der Lambertsnuss (Corylus maxima Miller), die etwas größer, länger und ganz von der Fruchthülle bedeckt sind. Die Lambertsnuss wird in Anatolien, Süditalien und Spanien in Kulturen angepflanzt.

Haselnussöl wird als Speiseöl, das allerdings leicht verderblich ist, zur Farbenherstellung und in der Kosmetik verwendet. Blätter des Haselstrauches so wie die Rinde der Zweige, die etherische Öle enthalten, findet man als Ersatz für die Zaubernuss (Hamamelis virginiana) in Teegemischen, die bei Krampfadern, Venenentzündungen, Geschwüren und Hämorrhagen (Blutungen) Linderung verschaffen sollen.
 

 



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zuletzt geändert am: 1.II.2003