Der Biogarten

 
 

Gärtnern auf Hügel- und Hochbeeten







Was sind Hügel- bzw. Hochbeete und welche Vorteile bringen sie?
Allgemeine Regeln zur Beachtung bei der Anlage der Beete
Bau eines Hügelbeets
Bau eines Hochbeets
Betrieb und Pflege eines Hügel- oder Hochbeetes
 
 


 

Was sind Hügel- bzw. Hochbeete und welche Vorteile bringen sie?

Hügelbeete sind, als sie vor einigen Jahren von einigen begeisterten Gärtnern eingeführt wurden, überschwänglich gelobt und sogar als die Gartenbaumethode der Zukunft gepriesen worden. Gewisse Vorteile gegenüber der herkömmlichen Kultur auf Flachbeeten lassen sich nicht von der Hand weisen. Aus der kulturtechnischen Weiterentwicklung der Hügelbeete sind die Hochbeete entstanden, die sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit erfreuen. Während Hügelbeete i.d.R. nach ein paar Jahren in sich zusammengefallen sind, haben Hochbeete bei sorgfältiger Anlage eine Lebensdauer von 10-15 (u.U. sogar 20) Jahren.
Beide sind aber keineswegs völlig neue Erfindungen. Hügelbeete werden bereits seit Jahrhunderten von den Papuas in den Bergwäldern Neu-Guineas zur Kultur von Süßkartoffeln und Gemüse angelegt.
 

Hügelbeete in Neu-Guinea
Die Abbildung oben aus dem Buch von R. Bökemeier & M. Friedel "Vom Ursprung des ökologischen Wissens Reportagen aus dem Garten Eden" (1990 im Ravensburger Buchverlag erschienen) zeigt Hügelbeete auf einer gerodeten Urwaldfläche in Neu-Guinea. Im Vordergrund sind frisch angelegte und im Hintergrund links ältere Hügelbeete zu sehen. Diese Hügelbeetkultur ist von Eingeborenenfrauen, die sich traditionell um die dorfnahen Gartenflächen kümmern, unter den speziellen Bedingungen der Tropen entwickelt worden. Unabhängig davon sind Beete, die mit fruchtbarem Schlamm aus Flusssedimenten angefüllt wurden, für das Mittelalter aus der Lombardei und der Po-Ebene bekannt. Schmale, uhrglasförmig gewölbte Beete, die beiderseits von "Grübben" umgeben sind, prägen das Landschaftsbild in den Vierlanden und im Alten Land bei Hamburg. Bei den aus den Berichten der Konquistadoren überlieferten, schwimmenden, auf aneinander geketteten Flößen angelegten Gärten der Azteken, aus denen sie ihre Hauptstadt Tenochtitlàn mit Lebensmitteln versorgten, handelte es sich wahrscheinlich ebenfalls um eine spezielle Form der Hydro- Hochbeetkultur.

Die Vorteile der Kultur auf Hügel- und Hochbeeten und die hierfür verantwortlichen natürlichen Prozesse lassen sich in Form folgender Thesen formulieren:


 

Allgemeine Regeln zur Beachtung bei der Anlage der Beete

Weder Hügel- noch Hochbeete sollten in stark schattierten Lagen angelegt werden. Eine N-S-Ausrichtung der Längsachse der Beete ist günstig, weil hierdurch die schrägen Flächen der Hügel- und die senkrechten Wände der Hochbeete die morgendliche und nachmittägliche Sonnenstrahlung optimal ausnutzen.
Damit die Beete einen innigen Bodenkontakt entwickeln, wird der Mutterboden auf der Beetfläche zwei Spatenstiche tief ausgekoffert. Einige Kleintiere des Gartens finden im Innern der Beete zwischen grobem Holz und Reisig ideale Lebensbedingungen. Daher wird, damit Wühlmäuse und Maulwürfe nicht eindringen können, der Boden mit feinmaschigem Draht, der beim Hochbeet an den unteren Wänden der Rahmenkonstruktion befestigt wird, ausgekleidet. Eine zusätzliche Barriere gegen Wühlmäuse stellen Farnkraut-Wedel dar, die als unterste Schicht auf dem Draht ausgelegt werden können.
 


 

Bau eines Hügelbeetes

Nach diesen Vorbereitungen beginnt der Bau eines Hügelbeetes mit der Anlage der 1. Schicht, indem grobes pflanzliches Material, das gesund und ohne Krankheiten sein sollte, mittig in der ausgehobenen Fläche eingebaut wird. Damit der Hügel nicht zu steil wird - diese Querschnittsform hat sich in der Praxis nicht bewährt - sollte die Grobschicht nicht höher als 35 cm werden. Reisig, Staudenschnitt, Kraut Stroh etc. können verwendet werden. Das Material verrottet im Laufe der Jahre zu Kompost und kann mit Algenkalk, Urgesteinsmehl und Hornspänen versetzt werden, was den Stickstoff, der durch die Rotte im Überschuss entsteht, bindet.
 

Querschnitt durch ein Hügelbeet, das Maße und Abfolge der Schichten zeigt. Die Abbildung stammt aus der Broschüre Beba / Knöll Hügelkultur und zeigt den sog. "Viernheimer Hügelaufbau". Randlich liegen Steinplatten, die beidseitig mit Bretter gefaßt sind, was der bequemen Begehbarkeit des Gartens dient, aber auch dem Hügelbeet seitlichen Halt gibt.
 

Das Grobmaterial ist sehr durchlässig und wirkt als Drainage, insofern müssen die Zwischenräume mit einer Mischung aus Sägemehl, feinen Holzhäckseln, Grobkompost, Muttererde oder was sonst an geeigneten "Dichtmitteln" zur Verfügung steht, ausgefüllt werden. Das verhindert erstens, dass der Hügel nicht zu schnell in sich zusammensackt und zweitens, dass das Wasser nicht wie durch ein Sieb wegläuft und vor allem im Sommer dann der Hügel ständig zu trocken ist. Darüber kommt eine Zwischenabdeckung aus Grassoden oder Muttererde, die leicht angeklopft wird. Sind Grassoden vorhanden, sollten sie mit der Grasseite zur Grobschicht orientiert werden.
Danach wird alles mit Laub eingedeckt. Dies kann, wenn größere Mengen verfügbar sind, auch sehr reichlich aufgetragen werden. Die Laubschicht wird mit wenig Muttererde überdeckt. Es folgt Grobkompost, über den dann als letzte Schicht eine Mischung aus Muttererde und Feinkompost gedeckt wird. Ist Grobkompost nicht in ausreichendem Maß vorhanden, kann alternativ auch Mist eingebaut werden. Er sollte jedoch nicht frisch sein, sondern abgelagert und verrottet. Die letzte Schicht als Pflanzsubstrat kann auch gänzlich aus feinem Kompost bestehen. Eine lockere Mischung mit Muttererde, wenn vorhanden, ist gut, solange nicht der immer wieder anzutreffende Fehler gemacht wird, dass die Muttererde über den Kompost gedeckt wird.
 
 


 

Bau eines Hochbeetes

Hochbeete sind für Hanglagen ebenso geeignet wie für flache Standorte. Zum Bau können Bohlen, Rund- und Schalhölzer, Wellblech, Stein und andere stabile Materialien verwendet werden. Holz sollte imprägniert sein, damit sich die Lebensdauer des Beetes verlängert. Inzwischen sind auch biologische Präparate im Handel. Entscheidend hängt aber die Lebensdauer eines Hochbeetes von der Dauer der Rotteprozesse im Innern ab. Dieser und die damit verbundene Wärmeproduktion bleiben solange erhalten, bis das eingebaute organische Material und vor allem das grobe Holz vollständig in Humus umgewandelt sind. Insofern sollten bei der Vorbereitung neben den Baumaterialien für die Wände auch gleich die mit Holz, Reisig und anderem organischen Material zu füllenden Kubikmeter des Beetes selbst bedacht werden. Im Gegensatz zum Hügelbeet (Grobschicht aus Reisig und Ästen) können für die unteren Schichten armdicke Äste und selbst kleine Baumstämme ins Hochbeet eingebaut werden. Aufgrund des größeren Querschnitts "schluckt" ein Hochbeet sehr viel größere Mengen Grobmaterial als ein Hügelbeet vergleichbarer Fläche.
 

Die Abb. stammt aus dem "Arbeitsbuch Naturgarten" von A. Niemeyer-Lüllwitz (1989 Ravensburger Verlag)
Dieses Hochbeet ist nicht eingegraben, sondern dem Erdboden nur aufgesetzt. Ein innigerer Kontakt mit dem Bodenleben ergibt sich, wenn das Beet einen (oder zwei) Spatenstiche eingegraben wird. In diesem Fall lässt sich auch mehr grobes Holz als Rottematerial unterbringen, was die Lebensdauer des Hochbeetes direkt beeinflusst. In beiden Fällen ist die Abdichtung mit einem feinmaschigen Draht zu empfehlen, damit sich keine ungebetenen Mitesser im Hochbeet einnisten.
 

Eine Holzkonstruktion, wie in der Abbildung dargestellt, wird mittels Vierkantpfosten, die ins Erdreich geschlagen werden, gestützt. Die Füllung des Beetes erzeugt einen starken Druck auf die Außenwände. Daher werden die Pfosten mit Gewindestangen, Unterlegscheiben und Muttern an beiden Seiten verstrebt. Wichtig ist, dass im unteren Bereich des Beetes von unten und von den Seiten Regenwürmer und Mikroorganismen Zutritt zum Rottematerial haben. Die Füllung erfolgt geschichtet von unten grob nach oben fein. Zuunterst liegen dicke Holzstämme und Äste. Die Hohlräume werden mit Holzhäcksel ausgefüllt und "zur Rotte angeimpft", indem sie leicht mit Muttererde überdeckt werden, die man etwas einschlämmt. So verfährt man mit jeder Schicht. Es folgen Heckenschnitt, Reisig, Grassoden, Stroh, Rasenschnitt oder Laub. Zuletzt werden angerotteter Kompost und die zuvor ausgekofferte Muttererde aufgetragen. Reifer Kompost sollte immer nur oben aufgedeckt, evtl. locker mit der Muttererde gemischt, aber nicht untergearbeitet werden.
 
 


 

Betrieb und Pflege eines Hügel- oder Hochbeetes

Die Hochlage der Beete, die höhere Temperatur und die bessere Durchlüftung des Bodens verursachen einen höheren Wasserbedarf, so dass öfters als auf Flachbeeten gegossen werden muss. Werden die Zwischenräume in der Grobschicht aber gut ausgefüllt, ziehen die Beete in der Regel das Wasser recht gut aus dem Boden nach und entwickeln sich nicht zu allzu großen "Wassersäufern" Wird aber gerade in den extremen sommerlichen Trockenphasen nicht regelmäßig gegossen, vertrocknen nicht nur die Kulturen, sondern das Erdreich verhärtet sich und das Bodenleben reduziert sich auf Null. Dies bedeutet dann in jeder Hinsicht Stillstand und Unterbrechung der günstigen Kulturbedingungen. Will man das Bodenleben auch in der kalten Jahreszeit pflegen, empfiehlt sich eine Winterabdeckung der Beete mit Laub und Stroh.
Im Frühjahr sollte der entstandene Rotteverlust stets mit reifem Kompost ausgeglichen werden. In frisch angelegten Beeten werden die Nährstoffe in der Anfangsphase der Rotte sehr intensiv freigesetzt, was vor allem zu hohen Nitratanreicherungen führt. Deshalb sollten im 1. Jahr vor allem Starkzehrer wie Weiß-, Rot-, Blumen-, Rosenkohl, Wirsing, Gurken, Kartoffeln, Lauch, Sellerie und Kürbis angebaut werden. Salate, Spinat, Rote Beete, Rettich und Chinakohl sollten erst im 2. Jahr kultiviert werden.
In jedem Fall ist es sinnvoll, ein Hügel- und/oder Hochbeet in Verbindung mit einer geregelten Kompostwirtschaft im eigenen Garten und in Mischkultur mit einer auf die Bedürfnisse zugeschnittenen Fruchtfolge zu betreiben.
 
 

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zuletzt bearbeitet am 16.IX.2001